Hypnoanalyse bei Selbstwertproblemen


Wenn Selbstzweifel nicht die ganze Geschichte erzählen - warum frühere Erfahrungen bis heute beeinflussen können, wie Sie sich selbst sehen und bewerten

 

Warum habe ich immer wieder das Gefühl, nicht gut genug zu sein? 

 

Vielleicht begleitet Sie dieses Gefühl schon lange - unabhängig davon, wie sehr Sie sich bemühen, was Sie erreichen oder wie andere Menschen Sie wahrnehmen. Anerkennung schenkt Ihnen möglicherweise für einen kurzen Moment Sicherheit, doch schon kleine Fehler, Kritik oder ein Vergleich mit anderen lassen die Zweifel wieder aufkommen.

Manche Menschen wissen mit dem Verstand, dass diese Selbstabwertung nicht der ganzen Wahrheit entsprechen kann. Für andere fühlt sie sich so vertraut und selbstverständlich an, dass sie kaum noch hinterfragt wird. In beiden Fällen kann dahinter ein Selbstbild stehen, das durch frühere Erfahrungen geprägt wurde und bis heute beeinflusst, wie Sie sich selbst, Ihre Beziehungen und Ihre Möglichkeiten wahrnehmen.

 

 

Was bedeutet Selbstwert eigentlich?

 

 

Der Selbstwert beschreibt, wie ein Mensch sich selbst und den Wert seiner eigenen Person empfindet. Dabei geht es nicht darum, sich für besser als andere zu halten, immer selbstbewusst aufzutreten oder niemals an sich zu zweifeln. 

Ein stabiler Selbstwert zeigt sich vielmehr darin, sich selbst mit den eigenen Stärken, Schwächen, Fähigkeiten und Grenzen annehmen zu können. Fehler, Kritik oder Ablehnung können weiterhin verletzen oder verunsichern – sie entscheiden jedoch nicht grundsätzlich darüber, wie wertvoll man sich als Mensch fühlt.

 

 


Woran erkenne ich, dass mein Selbstwert beeinträchtigt ist?

 

 

Selbstwertprobleme sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar. Manche Menschen wirken nach außen selbstbewusst, leistungsfähig und unabhängig, während sie innerlich häufig an sich zweifeln. Andere ziehen sich eher zurück, vermeiden Herausforderungen oder haben Schwierigkeiten, die eigenen Fähigkeiten und Stärken überhaupt wahrzunehmen. 

Ein beeinträchtigter Selbstwert kann sich unter anderem darin zeigen, dass Sie:

  • sich häufig mit anderen vergleichen und sich dabei selbst abwerten,
  • eigene Erfolge herunterspielen oder Komplimente nur schwer annehmen können,
  • Fehler lange beschäftigen und starke Selbstkritik auslösen,
  • große Angst haben, andere zu enttäuschen oder abgelehnt zu werden,
  • Ihre Bedürfnisse zurückstellen und versuchen, es allen recht zu machen,
  • Schwierigkeiten haben, Nein zu sagen oder Grenzen zu setzen,
  • Entscheidungen immer wieder hinterfragen und wenig Vertrauen in die eigene Wahrnehmung haben,
  • Ihren Wert stark von Leistung, Anerkennung oder dem Gefühl, gebraucht zu werden, abhängig machen,
  • Kritik schnell als Bestätigung dafür empfinden, nicht gut genug zu sein,
  • Herausforderungen vermeiden, weil die Angst vor dem Scheitern überwiegt.

 

Auch Perfektionismus oder ein besonders selbstsicheres Auftreten können manchmal eine innere Unsicherheit verdecken. Beides kann dazu dienen, sich vor Kritik, Ablehnung oder dem Gefühl des Versagens zu schützen. 

Nicht jedes dieser Merkmale bedeutet automatisch, dass ein ausgeprägtes Selbstwertproblem vorliegt. Entscheidend ist, wie häufig diese Erfahrungen auftreten, wie sehr sie Sie belasten und in welchem Maß sie Ihre Entscheidungen, Beziehungen und Ihren Alltag beeinflussen. 

 

 

Welche Rolle spielen unsere psychischen Grundbedürfnisse für den Selbstwert?

 

 

Menschen haben von Beginn an grundlegende psychische Bedürfnisse. Sie beeinflussen, ob wir uns sicher, angenommen und als wertvoll erleben. Besonders Kinder sind darauf angewiesen, dass ihre Bezugspersonen diese Bedürfnisse ausreichend annehmen und beantworten.

Dazu gehört das Bedürfnis nach Bindung und Zugehörigkeit: Ein Kind möchte spüren, dass es willkommen ist, geliebt wird und sich auf wichtige Menschen verlassen kann. 

Ebenso wichtig ist eine verständliche und verlässliche Umgebung. Kinder brauchen Orientierung und möchten erleben, dass sie ihrer Umwelt nicht vollkommen ausgeliefert sind, sondern durch ihr Handeln etwas bewirken und ihrem Alter entsprechend mitentscheiden können.

 

Ein weiteres Grundbedürfnis besteht darin, sich als wertvoll und anerkannt zu erleben – auch dann, wenn etwas nicht gelingt oder ein Fehler geschieht.

Menschen suchen außerdem nach angenehmen Erfahrungen und möchten Belastendes möglichst vermeiden. Kinder benötigen deshalb neben Schutz und Trost auch Freude, Spiel, Neugier und positive gemeinsame Erlebnisse. 

Werden diese Bedürfnisse ausreichend erfüllt, kann ein Kind nach und nach innere Überzeugungen entwickeln wie:

 „Ich bin willkommen.“

„Meine Gefühle und Bedürfnisse sind wichtig.“

„Ich kann etwas bewirken.“

„Ich darf Fehler machen und bleibe trotzdem angenommen.“

 

Dabei müssen Bezugspersonen nicht jederzeit alles richtig machen. Viele Eltern und andere Bezugspersonen haben selbst nicht erfahren, wie Gefühle und Bedürfnisse wahrgenommen, ausgedrückt und angemessen beantwortet werden können. Häufig geben Menschen unbewusst das weiter, was sie in ihrer eigenen Kindheit gelernt haben – etwa einen leistungsorientierten Umgang, emotionale Zurückhaltung oder die Überzeugung, dass bestimmte Gefühle keinen Raum haben dürfen. 

Diese Zusammenhänge zu verstehen, bedeutet nicht, belastende Erfahrungen zu verharmlosen oder ihre Auswirkungen zu leugnen. Es geht auch nicht darum, Schuld zu verteilen. Vielmehr kann das Verständnis dafür helfen, einzuordnen, wie bestimmte Muster entstanden sind und weshalb sie sich innerhalb von Familien über Generationen hinweg wiederholen können. 

Werden grundlegende Bedürfnisse dagegen wiederholt nicht ausreichend beantwortet oder nur unter bestimmten Bedingungen erfüllt, versucht ein Kind häufig, sich an seine Umgebung anzupassen. Es kann beispielsweise lernen, besonders pflegeleicht zu sein, viel zu leisten, eigene Gefühle und Bedürfnisse zurückzuhalten oder die Stimmung seiner Bezugsperson besonders aufmerksam zu beobachten.

Diese Anpassungen sind zunächst keine Schwäche. Sie können verständliche Versuche sein, Bindung, Sicherheit und Zugehörigkeit zu erhalten. Langfristig können daraus jedoch innere Überzeugungen entstehen, die den Selbstwert beeinflussen – etwa das Gefühl, nur durch Leistung, Anpassung oder die Anerkennung anderer wertvoll und liebenswert zu sein.

 

 

Wie entstehen Selbstwertprobleme?

 

 

Das Bild, das ein Mensch von sich selbst entwickelt, entsteht nicht von einem Tag auf den anderen. Es wird durch viele Erfahrungen geprägt – besonders durch Beziehungen zu wichtigen Bezugspersonen, durch deren Rückmeldungen und durch die Art, wie mit den eigenen Gefühlen, Bedürfnissen und Fehlern umgegangen wurde.

Kinder können noch nicht einordnen, dass das Verhalten Erwachsener häufig mit deren eigener Geschichte, Überforderung oder emotionalen Möglichkeiten zusammenhängt. Erleben sie wiederholt Kritik, Zurückweisung, fehlende Zuwendung oder das Gefühl, nur unter bestimmten Bedingungen angenommen zu werden, suchen sie die Erklärung deshalb häufig bei sich selbst.

Daraus können innere Überzeugungen entstehen wie:

„Mit mir stimmt etwas nicht.“
„Ich bin nicht wichtig.“
„Ich muss etwas leisten, um anerkannt zu werden.“
„Ich muss mich anpassen, damit ich geliebt werde.“
„Ich darf keine Fehler machen.“

 

Dabei braucht es nicht immer ein einzelnes, besonders belastendes Ereignis. Auch viele kleine, wiederkehrende Erfahrungen können beeinflussen, wie ein Mensch sich selbst wahrnimmt. Dazu gehören beispielsweise häufige Kritik, hohe Erwartungen, Vergleiche, emotionale Unbeständigkeit, Ausgrenzung, Mobbing oder das Gefühl, mit den eigenen Bedürfnissen zu viel zu sein. 

Auch spätere Erfahrungen können den Selbstwert erschüttern – etwa wiederholte Abwertungen in der Partnerschaft, Zurückweisungen, berufliche Misserfolge, Trennungen oder andere belastende Lebensereignisse.

Welche Erfahrungen den Selbstwert prägen und welche inneren Überzeugungen daraus entstehen, ist von Mensch zu Mensch verschieden. Entscheidend ist nicht nur, was geschehen ist, sondern auch, wie die Situation erlebt wurde, welche persönlichen Ressourcen vorhanden waren und wie das soziale Umfeld reagierte.

Zu diesen persönlichen Ressourcen gehören beispielsweise das eigene Temperament oder bereits entwickelte Möglichkeiten, mit Belastungen umzugehen. Auch das Alter, vorherige Erfahrungen und die Beziehung zu wichtigen Bezugspersonen können die Verarbeitung beeinflussen. Ein Kind, das nach einer belastenden Erfahrung Trost, Verständnis und verlässliche Unterstützung erhält, kann diese möglicherweise anders verarbeiten als ein Kind, das mit seinen Gefühlen allein bleibt.

Wird ein Kind beispielsweise überwiegend für seine Leistungen gelobt, erhält jedoch wenig Aufmerksamkeit oder Zuwendung, wenn es Fehler macht oder Unterstützung benötigt, kann die Überzeugung entstehen: 

„Ich bin wertvoll, wenn ich etwas leiste.“

Ein anderes Kind kann unter ähnlichen Umständen stärker eine Angst entwickeln, andere zu enttäuschen oder bei einem Fehler nicht mehr angenommen zu werden. Später können sich diese Erfahrungen in Perfektionismus, starkem Leistungsdruck oder dem Bedürfnis zeigen, sich den eigenen Wert immer wieder beweisen zu müssen. 

 

 

Warum beeinflussen frühere Erfahrungen meinen Selbstwert noch heute?

 

 

Erfahrungen, die sich wiederholen oder emotional besonders bedeutsam sind, können unser Selbstbild nachhaltig prägen. Die daraus entstandenen inneren Überzeugungen werden mit der Zeit so vertraut, dass sie häufig nicht mehr als erlernte Bewertungen wahrgenommen werden. Sie fühlen sich stattdessen wie eine Wahrheit über die eigene Person an. 

Eine Überzeugung wie „Ich bin nicht gut genug“ kann dabei wie ein innerer Filter wirken. 

Eine solche innere Überzeugung kann auch beeinflussen, wie mehrdeutige oder eigentlich neutrale Situationen wahrgenommen werden. Meldet sich ein nahestehender Mensch beispielsweise später als erwartet, vergisst eine Kleinigkeit oder wirkt für einen Moment zurückhaltend, kann dies schnell auf die eigene Person bezogen werden: „Ich bin ihm/ihr nicht wichtig“, „Ich habe etwas falsch gemacht“ oder „Er/Sie möchte nichts mehr mit mir zu tun haben“.

Die Situation selbst enthält die Aussage möglicherweise gar nicht. Sie erhält ihre verletzende Bedeutung erst durch das geprägte Selbstbild und die damit verbundenen früheren Erfahrungen.

Auch gegenwärtige Situationen können Gefühle auslösen, die ursprünglich in einem anderen Zusammenhang entstanden sind. Eine sachliche Rückmeldung im Beruf kann beispielsweise starke Scham hervorrufen. Eine kurze Distanz in einer Beziehung kann sich wie Ablehnung anfühlen. Ein kleiner Fehler kann die Angst auslösen, nicht mehr anerkannt oder angenommen zu werden. 

Die Gefühle können dann stärker sein, als es die heutige Situation zunächst erklären würde. Denn häufig wird nicht nur auf das reagiert, was gerade passiert, sondern zugleich auf frühere Erfahrungen, die einmal dasselbe oder ein sehr ähnliches Gefühl hervorgerufen haben. Der Verstand erkennt vielleicht, dass ein Fehler, eine vergessene Kleinigkeit oder eine Kritik nichts über den eigenen Wert als Mensch aussagt – emotional kann es sich dennoch anders anfühlen. 

 

 

Warum versuche ich alles richtig zu machen und es allen recht zu machen?

 

 

Der Wunsch, gute Leistungen zu erbringen, anderen zu helfen oder Rücksicht zu nehmen, ist zunächst nichts Problematisches. Belastend kann es werden, wenn das Gefühl des eigenen Wertes zunehmend davon abhängt, alles richtig zu machen, Anerkennung zu erhalten oder andere nicht zu enttäuschen. 

Dann können innere Überzeugungen entstehen wie:

„Ich darf keine Fehler machen - sonst merken die anderen, dass ich vielleicht doch nicht gut genug bin.“

„Ich muss für andere da sein – denn wenn ich nicht mehr gebraucht werde, bin ich vielleicht auch nicht mehr wichtig.“ 

„Ich darf nicht zu viel verlangen – sonst werde ich abgelehnt.“

„Ich muss spüren, was andere brauchen, bevor sie enttäuscht von mir sind.“

„Ich muss mich anpassen, damit ich dazugehöre und die Verbindung nicht verliere.“ 

„Ich muss erst etwas leisten, geben oder beweisen, bevor ich mich wertvoll fühlen kann.“ 

Perfektionismus kann in diesem Zusammenhang zu einer Strategie werden, mit der ein Mensch versucht, Fehler und das damit verbundene Gefühl der Unzulänglichkeit zu vermeiden. Nicht allein der Wunsch, etwas gut zu machen, ist dabei entscheidend. Belastend wird es vor allem dann, wenn ein Fehler nicht mehr als einzelnes Missgeschick erlebt wird, sondern den eigenen Wert infrage stellt. Die psychologische Forschung beschreibt diesen Zusammenhang als bedingten Selbstwert: Das Gefühl, wertvoll zu sein, ist an bestimmte Leistungen, Eigenschaften oder die Anerkennung anderer geknüpft.

Auch eine starke Anpassung kann dazu dienen, Konflikte, Kritik oder Ablehnung zu vermeiden. Wer die Bedürfnisse und Stimmungen anderer aufmerksam beobachtet, versucht möglicherweise frühzeitig zu erkennen, was von ihm erwartet wird. Die eigenen Wünsche, Gefühle und Grenzen geraten dabei leicht in den Hintergrund. 

Kurzfristig können diese Strategien Sicherheit geben. Eine gute Leistung, ein Lob oder die Zufriedenheit anderer beruhigen die Selbstzweifel für einen Moment. Langfristig entsteht jedoch häufig innerer Druck, weil der eigene Wert immer wieder durch Leistung, Fehlerlosigkeit oder Bestätigung abgesichert werden muss.

Das bedeutet nicht, dass Perfektionismus, Hilfsbereitschaft oder Rücksichtnahme auf Selbstwertprobleme hinweisen. Entscheidend ist, ob ein Mensch frei entscheiden kann, wann er etwas für andere tun möchte – oder ob hinter seinem Verhalten die Angst steht, andernfalls abgelehnt, kritisiert oder nicht mehr als wertvoll wahrgenommen zu werden. 

Was heute belastend ist, kann ursprünglich ein Versuch gewesen sein, Bindung, Zugehörigkeit und den eigenen Selbstwert zu schützen. Perfektionismus und starke Anpassung sind deshalb nicht die Identität eines Menschen. Sie können erlernte Strategien sein, die einmal Sicherheit gegeben haben, heute aber zunehmend davon abhalten, die eigenen Bedürfnisse wahrzunehmen und für sich selbst einzugestehen. Die Schematherapie beschreibt ein entsprechendes Anpassungsmuster als Zurückstellen eigener Bedürfnisse aus Angst vor Konflikt oder Zurückweisung. 

 

 

Wie können Selbstwertprobleme Beziehungen, Beruf und Alltag beeinflussen?

 

 

Ein beeinträchtigter Selbstwert kann sich durch nahezu alle Lebensbereiche ziehen – auch wenn er nicht immer sofort als Ursache der Belastung erkannt wird. 

In Beziehungen können Distanz, Unstimmigkeiten oder mehrdeutige Situationen schnell auf die eigene Person bezogen und als Ablehnung erlebt werden. Betroffene suchen möglicherweise verstärkt nach Bestätigung, stellen eigene Bedürfnisse zurück oder passen sich an, um die Verbindung nicht zu gefährden. Andere ziehen sich bei Verletzungen zurück, wirken kühl oder unabhängig, obwohl sie sich innerlich Nähe und Sicherheit wünschen. der Rückzug kann dann dem Versuch dienen, einer möglichen Ablehnung zuvorzukommen und sich vor einer weiteren Verletzung zu schützen.

Im Beruf kann sich ein verletzter Selbstwert sowohl durch Leistungsdruck als auch durch Zurückhaltung zeigen. Manche Menschen arbeiten ständig über ihre Grenzen hinaus, kontrollieren ihre Arbeit mehrfach oder können mit dem Erreichten kaum zufrieden sein. Andere vermeiden Herausforderungen, sprechen eigene Ideen nicht aus oder bleiben unter ihren Möglichkeiten, weil ein Fehler oder eine negative Rückmeldung sich wie ein Beweis für die eigene Unzulänglichkeit anfühlen könnte.

Im Alltag kann daraus ein ständiges innerliches Prüfen entstehen, wie zum Beispiel:

„War das richtig?“

„Was denken die anderen über mich?“

„Hätte ich mich anders verhalten sollen?“

Die Aufmerksamkeit richtet sich dann häufig darauf, wie das eigene Verhalten bei anderen ankommt. Das kostet viel Kraft und kann es erschweren, Entscheidungen aus den eigenen Bedürfnissen, Werten und Überzeugungen heraus zu treffen. Langfristig können dadurch innere Anspannung, Grübeln und emotionale Erschöpfung entstehen. 

 

 

Warum reichen positive Gedanken und Affirmationen oft nicht aus?

 

 

Viele Menschen mit Selbstwertproblemen haben längst verstanden, dass sie liebevoller mit sich umgehen sollten. Sie kennen Ihre Stärken, können Erfolge benennen und wissen vielleicht sogar, dass ihre Selbstkritik deutlich härter ist als die Art, wie sie mit anderen Menschen sprechen würden.

Trotzdem kann ein Satz wie „Ich bin gut genug“ innerlich fremd, unglaubwürdig oder sogar falsch anfühlen.

Das liegt nicht an mangelnder Willenskraft. Unser Selbstbild entsteht nicht allein durch Gedanken, sondern wird auch, wie oben beschrieben, durch emotionale Erfahrungen geprägt. Wenn ein Mensch wiederholt erlebt hat, nur durch Leistung, Anpassung oder die Anerkennung anderer wertvoll zu sein, reicht eine neue Aussage häufig nicht aus, um dieses tief verankerte Erleben unmittelbar zu verändern.

Manchmal entsteht sogar ein innerer Widerspruch: Der Verstand wiederholt eine positive Affirmation, während etwas im Inneren antwortet:

 „Warum fühlt es sich so an, als würde ich mich selbst belügen?“

„Ich kann den Satz aussprechen, aber innerlich kommt er überhaupt nicht bei mir an.“

„Warum kann ich diesen Satz nicht glauben, obwohl ich ihn so gerne glauben würde?“

 

Eine häufig zitierte Studie von Wood, Perunovic und Lee zeigte, dass sehr positive Selbstaussagen Menschen mit bereits niedrigem Selbstwert nicht zwangsläufig helfen. Bei einigen Teilnehmenden verstärkten sie sogar die Diskrepanz zwischen dem gewünschten Satz und dem tatsächlichen Selbstbild, sodass sie sich anschließend schlechter fühlten. Das bedeutet nicht, dass Affirmationen grundsätzlich schädlich oder wirkungslos sind. Ihre Wirkung kann jedoch davon abhängen, wie glaubwürdig und stimmig sie sich für die jeweilige Person anfühlen. (https://pubmed.ncbi.nlm.nih.gov/19493324/)

 

Andere Formen der Selbstaffirmation können durchaus hilfreich sein. In der psychologischen Forschung ist damit häufig nicht das Wiederholen möglichst positiver Sätze gemeint, sondern beispielsweise die bewusste Beschäftigung mit persönlichen Werten, Fähigkeiten und bedeutsamen Lebensbereichen. Dadurch kann eine belastende Erfahrung in ein umfassenderes Bild der eigenen Person eingeordnet werden. 

(https://www.annualreviews.org/content/multimedia/10.1146/do.multimedia.2013.12.17.238)

 

Positive Gedanken und stärkende Sätze können also den Blick auf die eigenen Ressourcen lenken und einen liebevolleren Umgang mit sich selbst unterstützen. Wenn sie jedoch nur gegen ein tief verankertes Gefühl gesetzt werden, ohne dessen Ursprung und Bedeutung einzubeziehen, kann möglicherweise nicht die Ebene erreicht werden, auf der die Selbstabwertung entstanden ist. 

 

Für eine tiefergehende Veränderung kann es deshalb wichtig sein, nicht nur neue Sätze über sich zu denken, sondern auch die emotionalen Erfahrungen zu betrachten und zu bearbeiten, die das bisherige Selbstbild geprägt haben. Nachdem die zugrunde liegenden Erfahrungen und Gefühle bearbeitet wurden, können stärkende Suggestionen den Prozess optimal ergänzen und dabei helfen, neue innere Überzeugungen und ein stabileres Selbstbild zu entwickeln und zu festigen. 

 

 

Wie kann Hypnoanalyse bei Selbstwertproblemen unterstützen?

 

 

Belastend an einem verletzten Selbstwert sind nicht nur die Zweifel an der eigenen Person. Es ist das tiefe innere Gefühl, sich Liebe, Anerkennung und Zugehörigkeit immer wieder verdienen zu müssen – und selbst dann nie ganz sicher sein zu können, ob man wirklich genügt. 

Ein Fehler ist dann nicht einfach nur ein Fehler. Er kann sich anfühlen wie ein Beweis dafür, tatsächlich nicht gut genug zu sein. Kritik trifft nicht nur das eigene Verhalten, sondern scheinbar die ganze Person. Die Anerkennung anderer schenkt vielleicht für einen kleinen Moment Sicherheit, doch häufig genügt schon eine kleine Enttäuschung, ein Vergleich oder eine Veränderung im Verhalten eines anderen Menschen, damit die vertrauten Zweifel zurückkehren.

So kann ein ständiger innerer Druck entstehen: noch mehr leisten, noch verständnisvoller sein, noch weniger Schwierigkeiten machen und die eigenen Bedürfnisse noch ein wenig länger zurückstellen. Hinter dem Wunsch, alles richtig zu machen, kann die Angst stehen, sonst an Wert zu verlieren. Hinter der Anpassung möglicherweise die Sorge, nicht mehr angenommen zu werden. Und hinter einem besonders unabhängigen Auftreten manchmal der Versuch, niemanden mehr so nah an sich heranzulassen, dass eine erneute Verletzung möglich wird. 

Was dabei wie Perfektionismus, Unsicherheit, Rückzug oder ein starkes Bedürfnis nach Bestätigung erscheint, kann im Inneren mit früheren Erfahrungen verbunden sein. Erfahrungen, aus denen einmal Überzeugungen entstanden sind wie:

„Ich bin nur wertvoll, wenn ich etwas leiste.“ 

„Ich darf keine Fehler machen.“

„Ich muss mich anpassen, damit ich nicht verlassen werde.“

„So, wie ich bin, reiche ich nicht aus.“

 

Solche Überzeugungen werden häufig nicht nur gedacht. Sie sind mit Gefühlen und Körperreaktionen verbunden und können sich deshalb wie eine unumstößliche Wahrheit über die eigene Person anfühlen. Genau aus diesem Grund reicht es oftmals nicht aus, sich bewusst vorzunehmen, selbstbewusster zu sein oder positiver über sich zu denken. 

 

Die Hypnoanalyse setzt an dieser emotionalen Ebene an. In Hypnose wird die Aufmerksamkeit nach innen gerichtet, sodass Gefühle, Körperempfindungen und damit verbundene Erfahrungen deutlicher wahrgenommen werden können. Ein heute wiederkehrendes Gefühl – beispielsweise Scham, Unzulänglichkeit, Ablehnung oder die Angst, nicht wichtig zu sein – dient dabei als Ausgangspunkt der ursachenorientierten Arbeit.

Diesem Gefühl wird in Hypnose zu früheren Situationen gefolgt, in denen es bereits in ähnlicher Weise erlebt wurde. Dabei geht es nicht darum, angestrengt nach einer Erklärung zu suchen. Vielmehr können die Erfahrungen mit dem heutigen Erleben zugänglich und auf emotionaler Ebene bearbeitet werden. 

Was sich lange wie eine Wahrheit über die eigene Person angefühlt hat, kann dabei als eine früh entstandene Schlussfolgerung erkennbar werden – und nicht als Beweis dafür, tatsächlich unzulänglich oder weniger wertvoll zu sein. Auch Perfektionismus, Rückzug oder starke Anpassung können als frühere Versuche verstanden werden, sich vor Ablehnung und weiteren Verletzungen zu schützen. 

Die Hypnoanalyse kann dabei unterstützen, diese alten Bewertungen von der eigenen Person zu lösen und ein stabileres Erleben des eigenen Wertes zu entwickeln. Ein Fehler darf dann ein Fehler sein, ohne den eigenen Wert infrage zu stellen. Anerkennung darf guttun, ohne darüber zu entscheiden, ob man sich selbst als wertvoll erlebt. Und die Bedürfnisse anderer können wichtig bleiben, ohne die eigenen dafür immer wieder zurückstellen zu müssen. 

Nachdem die zugrunde liegenden Erfahrungen und Gefühle bearbeitet wurden, können stärkende Suggestionen diesen Heilungsprozess ergänzen und dabei helfen, mehr Selbstannahme und Vertrauen in die eigene Person zu entwickeln und zu festigen. 

 

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